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Christine

Christine



Roller:

Vespa 125 Primavera, Bj. 1968
Vespa VBA, Bj. 1959
Vespa 125 Sprint, Bj. 1970

E-mail an Christine



Ein Virus namens "Vespa"



Das Leben ist einfach nicht fair, dachte ich mit 16. Denn als alle anderen auf ihren Vespas (und sonstigen zweirädrigen, motorisierten fahrbaren Untersätzen) von Party zu Party rauschten, saß ich dank des Mopedverbots meines alten Herren mopedlos zuhause. Zugegeben: Zwei Jahre später war's irgendwie kein Thema mehr, denn da war mein einziger und größter Wunsch ein Auto. Und das war dann auch das erste, was ich mir mit meiner ersten selbstverdienten Kohle leistete.

Mit fast 30 kam ich dann eher zufällig auf den Roller. Auf Mykonos fuhr ich erstmals tatsächlich selbst – und es machte riesen Spaß. Und doch dauerte es noch ein paar Jahre, bis mich Heinz mit der Restauration seiner Sprint Veloce endgültig auf den Geschmack brachte. Aufgrund meiner mopedlosen Jugendzeit bestand ja auch ein gewisser Nachholbedarf. Nachdem mich Heinz dann noch als kostenlosen Hilfsarbeiter beim Zusammenbau seiner Sprint Veloce "missbrauchte", nahm der Wunsch nach einer eigenen Vespa rasch Gestalt an. Am besten eine Primavera - klein, handlich, wendig, chic!


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Markenzeichen: Ein original-italienischer Werkstätten-Aufkleber
Leider nicht original: Neuer Tacho

Der Kauf



Im Internet war schnell ein Händler mit über 10 Primaveras gefunden. Kurzfristig weckte aber auch eine 125 VNB in restauriertem Zustand mein Interesse. Im Sommer nahmen wir also den langen Weg – über Salzburg – nach Kärnten. Die besagt VNB war dann leider doch nicht so schön wie auf den Fotos, dafür war die ebenfalls im Vorfeld ins Auge gefasste ET3 in absolutem Top-Zustand. Der Händler lenkte unsere Aufmerksamkeit aber auf eine originale 68er Primavera aus der ersten Serie – gerade frisch typisiert und sofort fahrbereit. Diese ganz besondere Vespa mit den wunderschönen alten Schriftzügen ließ mich dann nicht mehr los. Dann die Sensation: Ein Tritt und der Motor war an, alle Lichter funktionierten, die musste es sein.

Schnell wurden noch die Reifen gegen Weißwandreifen, der schwarze Tacho – leider ein neuer – gegen einen weißen und das "wunderschöne" ET3 Rücklicht gegen ein "oldstyle" Chromlicht umgeordert. Netterweise wurde das ohne Mehrkosten zugesagt und so stand einer Unterschrift nichts mehr im Wege. Nun die Frage, wie kommt die Vespa nach Baden? Wieder versuchen einen Bus zu bekommen und dann die elendig weite Strecke zurücklegen? Doch zum Glück gibt's die Bahn, für € 80,– sicherlich ein akzeptabels Angebot – dachte ich ...

Finanziell etwas angeschlagen ging es nun in den wohlverdienten Urlaub. Wieder zu Hause angekommen freute ich mich schon schon auf das Eintreffen der Primavera. Doch nun fing das Theater an: Das Geld war leider noch nicht beim Händler eingetroffen – er hatte leider vergessen zu erwähnen, dass er die Ware erst abschickt, sobald das Geld am Konto ist (und eine Zahlschein-Bestätigung auch nicht genügt). Erst durch Nachtelefonieren erfuhr ich, dass meine Vespa also noch nicht mal unterwegs war. Dank der exzellenten raschen Bankverbindung des Händlers, kam die Primavera eine satte Woche später als vereinbart an.


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Unsere Primaveras

Transportschäden



Jetzt aber, dachte ich ... Doch dann kam schon der Anruf von Heinz, die Vespa hatte einen Transportschaden. Infolge der nicht gerade sehr sorgfältigen Verpackung hing der Lichtschalter – die Schraube war wohl bei der Montage vergessen worden – an den Kabeln herunter und die Abdeckung fehlte. Also reklamieren!

Den neuen Lichtschalter montiert ging das Licht leider noch immer nicht. Einen halben Tag später nachdem alle Lichter zerlegt und untersucht worden waren – unter anderem waren beim Tausch des Rücklichts Brems- und Rücklicht kurzgeschlossen worden – war der Besichtigungszustand endlich wieder hergestellt.


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Das "old-style" Chrom-Rücklicht ist mittlerweile Geschichte

Die Tücken des Typenscheins



Also ab zum Anmelden und endlich fahren ... leider waren die Papiere falsch ausgestellt worden. Die Landesregierung Salzburg hatte sich in der Zeile geirrt und so war kein Datum der erstmaligen Zulassung vorhanden, also auch keine Anmeldung möglich. Ich durfte den Typenschein auf meine Kosten zurück nach Salzburg schicken und nach der rasanten Bearbeitungszeit von über einer Woche war auch der Typenschein tadellos.

Fast vergessen: Den 125er Kurs (für den Eintrag des Codes 111) mußte ich ja auch noch machen. Sehr zum Leidwessen von Heinz – der nun täglich die Primavera beschlagnahmen musste – war das aber sehr schnell erledigt (der Kurs beim ÖAMTC ist eine echte Empfehlung) und mein Schatz musste mir die liebgewonnene Lady ("Primadonna") – bei einer Höchstgeschwindigkeit von 75 km/h und der Beschleunigung eines Mopeds muss es Liebe sein – endlich überlassen.

Nachdem nun alle Hürden beseitig waren, konnten die abendlichen Ausfahrten beginnen. Doch bei der ersten Fahrt aus der Garage: keine Leistung, ein Knall und aus! Schock! Der Grund war schnell gefunden: Die Zündkerze lag im Motorraum und Heinz murmelte so alles mögliche dahin, wie die Typen sind doch einfach für alles zu dämlich (damit meinte er die netten Menschen, die uns die Vespa verkauft hatten und eben diverse Sachen noch montiert hatten). Seit wir die Zündkerze reingeschraubt haben (und nachdem wir sicherheitshalbe noch sämtliche anderen Teile genau geprüft und nachgezogen hatten), lief meine Primavera ohne Problemen.


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Die Proma-Schnecke

Der erste und letzte Tuningeingriff



Ich war richtig glücklich mit meiner Vespa, nur Heinz meinte mal wieder, etwas mehr Leistung müßte her. Da es sich bei dieser Primavera um einen Original-Zustand handelte, war ein großer Eingriff für mich absolut tabu. Dank Ebay endeckte Heinz dann aber eine Proma Schnecke. War ihm noch aus seiner Jugend bekannt, so alt musste die auch sein, da die seit der Zeit auch nicht mehr produziert wird. Tja, Geschenke darf man ja bekanntlich nicht ablehenen ;) ... also stimmte ich zu – in der Hoffung, er weiß, was er tut. Dieses Relikt, wie sollte es auch anders sein, war bei unserm Lieblingshändler, dem Verkäufer der Primavera, zu haben. Der Auspuff war neu, was sollte also sein ... ihr könnt euch jedoch denken, dass auch dieses Geschäft nicht so einfach war.

Nach zweimaliger falscher Angabe der Kontonummer hielten wir den Auspuff nach immerhin drei Wochen in Händen. Immerhin, die Ware war neu und top. Aus den prognostizierten 15 Minuten Auspuffwechseln wurden dann mal wieder zwei Stunden – Heinz war mal wieder erstaunt, wo man eine Lufthutze so überall anschrauben kann – aber das Ergebnis nach erfolgreicher Vergaserreinigung und neu Bedüsung durch die Firma Rösner war optimal. Zwar waren noch immer nicht mehr als 85 km/h Topspeed – mit Rückenwind, Heimweh und bergab – drinnen, aber Beschleunigung und Klang können sich jetzt wirklich sehen lassen. Und da man als Small-Frame-Fahrer im Verkehr ohnehin einer der letzten in der Nahrungskette ist, sehe ich die etwas angehobene Lautstärke meiner kleinen als absolut notwendiges Sicherheitsfeature an: Wenn man mich schon nicht sieht, hört man mich so wenigstens! ;)

Trotz der vielen Anfangsschwierigkeiten und dem doch sehr späten Zeitpunkt des Kaufes (Mtte Juli) bin ich die erste Saison noch fast 1000 km gefahren – ganz im Gegensatz zur neu aufgebauten Sprint, die immer noch auf ihre erste Saison hoffte.


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Das fertig lackierte Siem-Rücklicht

Neues Rücklicht



Welch Glück, dass Heinz keinen Wert auf Originalität legt! So fiel beim Kauf seiner Primavera doch glatt ein originales Siem-Rücklicht – das mit dem schnuckeligen Alu-Rämchen um den Reflektor – für mich ab. Gemeinsam mit ein paar anderen Kleinteilen ließen wir es sandstrahlen und füllern, bevor ich es höchst persönlich in der Originalfarbe meiner Primavera ("Kühlschrank-metallic") lackierte.

Jetzt würde bloß noch ein alter Tacho mit Patina fehlen. Und auch diesen habe ich in der Zwischenzeit bereits erstanden ... das Projekt für den Winter 2008/2009. Vielleicht auch nicht das einzige: Gut möglich, dass bis dahin auch noch mein VBA-Wunsch Wirklichkeit wird.


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Alles was man braucht, um einen Stoßdämpfer zu wechseln ...

Auf immer und ewig ...



Aufgrund der extrem schwachen Bremsleistung der Primavera nahmen wir uns im Winter 2007 auch noch die vorderen Bremsen und den vorderen Stoßdämpfer vor. Die Bremsen waren an sich noch in Ordnung, der Stoßdämpfer dagegen war hinüber.

Doch meine Primavera war nicht so leicht von diesem zu trennen. Beinahe 40 Jahre Rost verband die Vespa mit ihrem Stoßdämpfer, der sich nur in mühevoller Kleinarbeit mit viel Rostlöser, Schweiß, roher Gewalt und Vorschlaghammer demontieren ließ. Wobei "demontieren" hier noch eher nett formuliert ist, bedenkt man das kurze Intermezzo mit der Flex ... Wir haben ihn zuerst in Einzelteile zerschnitten und den Bolzen dann Wochenlang mit Rostlöser regelrecht eingeweicht. Schließlich konnten wir die Reste mit dem Vorschlaghammer vom Bolzen schlagen. Leider wurde dieser dabei gestaucht – und plötzlich passte die alte Mutter nicht mehr drauf! Dank Gerhards Gewindeschneider konnte jedoch auch dieses Problem behoben werden und nach ca. 6 Wochen(enden) (!) war auch dieses Kapitel abgeschlossen.


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Christine geht fremd: Mit Heinzis g.t.r. am Seiberer 2008

Durchwachsene Saison 2007



Die Saison 2007 fand leider bereits im August ein unfreiwilliges Ende. Es begann damit, dass irgendwann im Hochsommer das Kupplungsseil riss. Glücklicherweise unweit von meinem Elternhaus, wo wir gemütlich im Garten das Seil tauschen konnten.

Dann wurde die Primavera ungewöhnlich heiß – wie sich später herausstellte, hatte sich in fast 40 Jahren doch zu viel Schmutz am Zylinder abgesetzt. Die Schaltung war mittlerweile so unexakt geworden, dass die Wahrscheinlichkeit, im Lotto zu gewinnen, beinahe höher war, als den richtigen Gang bei meiner Primavera zu treffen. Besonders spaßig war auch, dass die gute ab und an mal einfach hoch drehte und sich dann nur mehr abwürgen ließ, da half kein auskuppeln und gar nichts. Ihr könnt Euch vorstellen, dass es mich so nicht mehr sonderlich reizte, allzu große Runden mit meiner Vespa zu drehen.

So verbrachte sie den Winter 2008 in Oberwart bei Kurt, der ihr ein komplettes Motorservice spendierte: Die Simmerringe hatten sich fast vollständig in ihre Bestandteile zersetzt, die Schaltklaue war am Ende und auch sonst gab es noch einiges zu tun. Die Freude über die Heimkehr meiner Primavera war groß – nur währte sie leider nicht lange. Schon nach wenigen Kilometern, starb sie ohne ersichtlichen Grund ab, ließ sich nicht am Gas halten und sprang auch nur schlecht an. Nach einigem Herumrätseln war klar, dass ich ihr auch noch einen neuen Vergaser spendieren musste.

Wer jetzt meint, dass das so einfach ist, der irrt: Denn aufgrund der unglaublichen Pass(un)genauigkeit mussten wir selbst beim Einbau des Vergasers Gewalt anwenden ... Einmal möchte ich es noch erleben, dass die tollen Neuteile, die so am Markt sind, auch wirklich passen!

Die gute Nachricht zum Schluss: SIE LÄUFT!!! Wie ein Glöckerl! Nur bin ich halt in der Zwischenzeit auch draufgekommen, dass die große (Heinzis g.t.r.) für lange Strecken halt doch um Häuser komfortabler ist. Nichts desto trotz fahre ich meine "Primadonna" jetzt wieder gerne – auf Kurzstrecken ;)


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Meine VBA, Bj. 1959

Und jetzt eine Largeframe ...



Irgendwie wird’s offenbar langweilig, wenn alles funktioniert. Tja und was macht der gelernte Vespafahrer dann: Richtig, er kauft sich ein neues Restaurationsobjekt.

In meinem Fall habe ich mir meinen Wunsch erfüllt und eine Vespa 150 VBA erstanden. In Kurts fachkundigen Händen mutiert sie hoffentlich bis nächsten Frühjahr zu einem Traum in cremeweiß.


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