Erstellt am 15.06.09 um 23:32 Uhr
Vespa World Days 2009: Zell am See im Zweitakt-Fieber
Wenn knapp 3.000 Vespafahrer auf ihren Rollern knapp 3.000 Meter Seehöhe erklimmen, um sich ein Leberkässemmerl abzuholen - handelt es sich wohl um den Höhepunkt der Vespa World Days 2009. Unsere Rückschau auf das im Vorfeld als Saison-Highlight gehypte Event in Zell am See.
Was haben wir uns auf unsere Reise nach Zell am See gefreut! Aber dass Vorfreude tatsächlich die so viel schönere Freude ist, hätten wir uns nicht träumen lassen. Nach unserer pannenreichen Anreise am Mittwoch unter Andis gut vorbereiteter Führung erreichten wir unser Ziel, die Pension in Zell am See, schließlich um 20:30 Uhr. Dort erwartete uns die Wirtin bereits mit dem Abendessen, das sie uns freundlicherweise angeboten hatte, sodass wir zu so später Stunde nicht auch noch ein Restaurant suchen mussten. Das Mahl war zwar gut, aber beim Anblick der Rechnung Preis wurde einigen von uns klar, warum die Dame des Hauses so zuvorkommend gewesen war ...
Am Donnerstag ging es dann am Vormittag zum Veranstaltungszentrum beim Ferry Porsche Congress Center. Und bereits hier fand die Enttäuschung ihre Fortsetzung: Die groß angekündigte Ausstellung mit 100 historischen Vespas war auf knapp 30 Exponate zusammengeschrumpft. Ron durfte trotz vertraglicher Zusicherung plötzlich doch keine LML-Roller ausstellen – demensprechend leer war sein Stand – und auch die Firma SIP durfte keine Waren verkaufen, da ein Artikel im Sortiment dem Veranstalter nicht ins Konzept passte.
Drive the dam – Oder: Die glorreichen Sieben
Die "größte Eröffnungsfeier der Vespa World Days 2009" (O-Ton Platzsprecher) konnte man wohl nur als schlechten Scherz bezeichnen. Chaos pur auch bei der groß angekündigten Fahrt über den Staudamm Kaprun: Diese wurde kurzerhand abgesagt und dann für 20 bzw. am Ende gar nur noch für sieben Auserwählte doch stattzufinden. Wie gut, dass wir extra wegen dieser Tour bereits am Mittwoch angereist waren!
Kurz gesagt, ohne auf alle Details einzugehen: Die Organisation war von Anfang bis Ende ein Katastrophe. Zu allem Überfluss spielte anfangs auch das Wetter nicht mit, was die Stimmung natürlich zusätzlich drückte.
Dem nicht genug, hatten einige Lokale außerdem die Chance genutzt, mal wieder so richtig abzukassieren – teilweise waren die Preise auf den Plakataufstellern mit Aufschlägen von knapp 20 Prozent sogar nur mit Edding übermalt worden, anstatt die Zettel wenigstens gleich neu auszudrucken. Schade, denn mein bisher positiver Eindruck von Zell am See, den ich mir während früherer Aufenthalte hier gemacht hatte, ist nun zerstört.
Sturm auf den Glockner
Das Highlight der ganzen Veranstaltung war definitiv die Fahrt über den Großglockner am Freitag. Selbst der Wettergott war uns diesmal gnädig: Nach anfänglichem, kurzem Regenguss, war es am Gipfel zwar frostig, aber immerhin sonnig. Und ob der atemberaubenden Kulisse konnte auch die chaotische Organisation, die sich wie ein roter Faden durch alle Programmpunkte der VWD 2009 zog, das Erlebnis nicht trüben. Die angekündigte zweistündige Sperre für die Auffahrt der Vespas gab es nicht, dementsprechend waren viele andere Motorräder und Autos unterwegs. Die Jausenausgabe am Parkdeck auf der Franz-Josephs-Höhe geriet zur Farce, als immerhin drei Personen 3.000 Vespafahrer mit einer frisch zubereiteten Leberkäse Semmel versorgen sollten. Die Schlange ging über den halben Großglockner ...
Die oberen 400
Abends stand dann ein weiterer Höhepunkt auf dem Programm: Die "Castle Night" mit großem Spanferkel-Essen. Um stolze fünf Euro hatten wir uns unseren Platz für das limitierte Event auf der Burg Kaprun gesichert. Hier standen für 400 Personen immerhin rund 100 Sitzplätze zur Verfügung, erst nach längerer Diskussion ergriff Christian die Initiative und stellte Tische zum Essen auf der Tanzfläche auf. Man braucht wohl nicht zu erwähnen, dass auch hier die Essensausgabe hoffnungslos unterbesetzt war. Weder waren die Spanferkel pünktlich zum Einlass fertig, noch gab es nach kurzer Zeit noch Kartoffelsalat aus den 2 Küberln Fertigsalat. Die Schlange war mal wieder unendlich lang, und das obwohl ein großer Teil der zahlenden Gäste freiwillig auf das 8,50 Euro teure Spanferkel-Menü (mit Semmel, Kartoffelsalat und dem unvermeidlichen Sauerkraut) verzichtete und das Fest vorzeitig verlassen hatten.
Enttäuscht entschlossen wir uns, schon einen Tag früher als geplant, am Samstag nach Hause zu fahren und sparten uns das Gala-Dinner in der Eishalle. Kurz gesagt: Die Vespa World Days 2009 waren unterm Strich eine ziemliche Pleite, schade um Zeit und Geld!
Ich freue mich jetzt um so mehr auf die nächste Veranstaltung der Scooteria Leibnitz, dort sollten sich die "Profis" des VCA abschauen, wie man ein Event organisiert!
Positiv möchte ich aber nochmals die tolle Vorbereitung unserer Reise durch Andi und Ingrid vom VCW hervorheben, die sich um Quartier, Streckenplanung und einiges mehr gekümmert haben. Vielen Dank dafür!

